Kanada
Kommentare 4

Seltene Polarlichter auf dem Weg nach Québec

Ich verbrachte nicht nur das Wochenende im Auberge Festive Sea Shack, dafür war es da viel zu schön. Mit neuen Freunden besuchte ich den Parc national de la Gaspésie und schlief auf einem Berggipfel. Der Sankt Lorenz Strom führte mich in das Landesinnere nach Québec Stadt, die Häuser am Straßenrand häuften sich, ich gelangte in die dicht besiedelten Regionen Kanadas.


Ich schlängelte mich an steinigen Felsklippen der Küste entlang und durchquerte verschiedene kleine Fischerdörfer. Die Straße führte mich 50km am Fuße einer Bergkette parallel zum Meer, der Wind peitschte so einige Wellen auf den Asphalt. An wenigen stellen der blass gelben Wälder setzten sich schon graue Flecken ab. Es deutet darauf hin dass der Winter vor der Tür steht. So mancher besortge schon Winterreifen.

Musik: Red Fang - Good To Die

Freiwillig gefangen im Paradies

Bei tief stehender Sonne sah ich das Schild des Sea Shack Hostels, wenige Kilometer vor Sainte-Anne-des-Monts, doch fuhr erst mal in die Stadt für Lebensmittel. Aus dem Netz wusste ich das ich im Hostel eine ganze Küche zur Selbstversorgung zur Verfügung hatte. Und ich freute mich mal ein Gericht mit mehr als einem Topf zubereiten zu können. Die Wahl fiel auf ein leckeres Spargel-Pilz Risotto, denn ich hatte noch Weißwein im Auto. (was für ein schöner Grund)
Nach dem Einkauf erreichte ich das berühmte Sea Shack, eine gemütliche Herberge im Sand am Strand. Die Holz-Häuschen bedeckt mit Schilf, Surfbretter an den Wänden, Holzunterstände mit Hängematten, das perfekte Paradies für den Sommer nur leider nicht bei null Grad Celsius wie heute. So entschied ich mich ein Bett zu buchen und nicht kostengünstig am Strand zu zelten.
Nach dem einchecken und einer ersehnten Dusche machte ich mich sofort an den Herd. Um mich herum noch 10 andere Leute die ebenfalls kochten, war eine ziemlich trashige Angelegenheit. Mein Topf, gefüllt für zwei Tage wurde kritisch beobachtet, die Frage ob ich nur für mich kochte kam öfters. Beim Essen erfuhr ich das eine Geburtstagsgemeinschaft nur für den Samstagabend sechs Stunden angereist war und ein paar locals gaben mir eine kleine Inforunde zum Sea-Shack.
Gefeiert wurde an dem Abend ausgiebig, das war richtig gut für die Seele. Doch das größte Highlight waren die Nordlichter welche sich in der eisigen Nacht am Himmel über dem Sankt Lorenz Strom ereigneten. Das ich an dem Abend noch die Kamera rausholen musste hatte ich nicht gedacht, dementsprechend schwer fiel mir auch das fokussieren. Nicht nur mit dem Objektiv. Die Arctic Lights hier sollen auch das erste mal für einige Ortsansässige gewesen sein. Wow.

Am nächsten Tag wollte ich eigentlich am Nachmittag abreisen, aufgrund meiner mangelnden Fahrbereitschaft und dem mächtigen Endkater, blieb ich auf dem Sofa kleben und schloss mich doch widerwillig einer Gruppe netter Franzosen/Québecer an. Wir wollten auf dem nahe gelegenen Berg wandern, ein wenig frische Luft tat mir sicher gut. Auf dem Weg überquerten wir Seilbrücken und stiegen steile Wege hinauf. Mir war vom Aufstieg schwindelig genug, sodass ich auf das Gipfelsandwich verzichten musste. Zum Abendbrot jammten wir mit allen Instrumenten die das Hostel zur Verfügung stellte, Klavier, Gitarre, Ukulele, Bongo, Löffel und Topf. Die Truppe hatte ordentlich Musik im Blut. Nachher gönnten wir uns den unter freien Himmel stehenden Yakuzi auf dem Dach einer Hütte. Der Hammer. Frisch gewaschen Endete der Abend am Strand mit Bier und Lagerfeuer(musik). Der Ort war magisch. Und schon am zweiten Tag merkte ich, dass ich hier eigentlich nicht mehr Weg möchte.

Wann hast du das letzte Mal etwas zum ersten Mal gemacht?

Trotzdem entschloss ich mich am nächsten Tag zu gehen. Nachdem ich mich ein bisschen um den Blog gekümmert und alles gepackt hatte fuhr ich in die Stadt und bereitete mich für den nächsten Stopp den Parc national de la Gaspésie vor. Mit seinen 1268m hohen Chic-Choc Mountains, beherbergt der Park die größten Berge der Region. Eine weitere Stunde Zeitverschiebung und die hohe nördliche Lage verursachen einen zeitigen Sonnenuntergang und ich begann langsam zu zweifeln, nicht doch wieder zurück zu fahren, bevor ich in der Nacht irgendwo eine Bleibe finden muss. Dem war so, ich machte kehrt und fand mich wieder am Tresen ein. So begann auch dieser Abend an der magischen Bar des Sea Shacks an der man sich nie einsam fühlt, und das lag nicht nur an dem leckeren Bier lokaler Mikro-Brauereien. Nach einer weile kam ich mit Alex the Muscle und Alex the Brain ins Gespräch (Anm. d. Red.: stellten sich selbst so vor). Wir bemerkten dass wir das gleiche Ziel haben, eine Bergwanderung im Nationalpark. Nur das die zwei vorhatten, gleich auf dem Gipfel zu schlafen. Ich war hell erfreut, denn so etwas habe ich noch nie gemacht und trat direkt der Unternehmung bei.

Am nächsten Tag fuhren wir also mit Sack und Pack zu dem 100 km entfernten Berg unserer Träume. Mit Zelt, Schlafsack und kleinem Proviant starteten wir den Hike gegen 15:00 nachmittags. Nach einer kurzen Strecke gelangten wir an einen großen See und mussten feststellen das der Berg aufgrund der Paarungssaison der hier ansässigen Caribou-Herden geschlossen ist. Fast hätten wir eine Straftat begangen, hätte uns ein Hobbyranger nicht hinterhältig zur Rede gestellt und damit gedroht die Behörden zu verständigen.
Wir wollten das Risiko nicht eingehen und entschieden uns einen anderen Berg aufzusuchen. Es ging auf den Mt. Richardson und es war langsam sehr spät. Der steile Anstieg mit Gepäck war so anstrengend, das wir uns zeitweise aus den Augen verlorenen aufgrund der unterschiedlichen Kondition. Auf halber Höhe erlebten wir schon den Sonnenuntergang. Es war beeindruckend wie die Sonne hinter den Gipfeln verschwand und sich der gesamte Himmel rosa färbte, noch einmal gespiegelt von dem kleinen Teich vor uns. Alles war in einem warmen rot -ton gefärbt wie wenn man durch eine Skibrille schaut. Bei eintretender Dämmerung verließen wir die Baumzone und gingen über auf Geröll. Es wurde windig und kalt, denn Wolkenschwaden zogen auf und trübten die Sicht. Ideal wenn dann noch die Kopflampe streikt.
Sichtlich erschöpft erreichten wir den windgepeitschten Gipfel und suchten Schutz hinter Steinen um den Jacky kreisen zu lassen. Ein Zelt hier aufzuschlagen war praktisch unmöglich, wir gingen wieder herab, zurück auf Grasboden bei weniger Wind. Wir bauten das Camp auf, aßen eine deftige Mr.Noodles Suppe gekocht mit Wasser aus dem vorhergehenden Teich, reinigten und wärmten uns mit Whisky und pennten schnell vor Erschöpfung ein. Mein VARTA-Merchandise Zelt, hielt dem Wind und Regen der Nacht stand, ich konnte es selbst nicht glauben. Der Schlaf war jedoch geräuschbedingt nicht sehr erholsam. Am nächsten Morgen stiegen wir wieder ab, die Schenkel brannten. Am Auto angekommen bekamen wir Besuch von hungrigen Vögeln. Für ein paar Fischchips posten sie auch vor der Kamera. Ich glaube wir schufen damit ein dickes Winterreservoir für die gesamte Vogelfamilie. Hoffentlich bleiben sie nicht auf dem Glutamat hängen.

Wieder im Sea-Shack angekommen, begann der Abend wie gewohnt an der Bar mit unseren glorreichen Geschichten. Die beiden luden mich ein in der nähe von  Montreal in ihrem Haus auf der Couch zu pennen wenn ich möchte.

Ein Auge weint ein Auge lacht

Am nächsten Tag brach ich nun endlich auf nach Québec Stadt. Schweren Herzens verließ ich das Sea Shack, es war eine tolle Zeit.
Nächstes Ziel war Rimouski, eine Studentenstadt am Sankt-Lorenz Strom. Ich wollte das dort trocken gelegte U-Boot „HMCS Onondaga“ besichtigen. Bei starkem Schauer fuhr ich Richtung Süden, auf einer Strecke von 100km erfolgte ein Temperaturanstieg von knapp 16 Grad. Abends in Rimouski angekommen fand ich das U-Boot und einen strahlenden Leuchtturm. Ich blieb gleich vor Ort zur Übernachtung. Am nächsten Morgen stellte ich fest, dass die Besichtigung des U-Bootes für diese Saison geschlossen hat. Der Leuchtturm ebenfalls, er dient nur als Museum. So schaute ich mir ein wenig die Stadt im Spätherbst an. Einige Kunstgalerien wären sicher interessant gewesen, dafür war leider keine Zeit. Nach meinem Empfinden hat die Stadt neben der Uni nicht viel zu bieten, so zog ich weiter so lang es noch Hell war.

Der nächste halt war der Parc national du Bic mit seiner prächtigen Tiden und Seenlandschaft. Der Park bietet naturbelassene Ausblicke auf den Sankt-Lorenz Strom verbunden mit einer reichhaltigen Vogelwelt. Ich machte nur einen kurzen Stopp, denn ich wollte heut noch Québec Stadt erreichen. Nach langer fahrt entlang des Flusses durch ewige Agrargebiete, zwang mich der Hunger auf einem geschlossenen Rastplatz zu halten. Da zu dieser Zeit alle Halten und Rastplätze geschlossen waren, lohnte es sich auch nicht nach einer besseren Stelle zu suchen. Ich umfuhr über einen Hügel die Sperrkette und suchte einen Unterstand auf. Dafür ist doch der 4Runner da. Die Nacht legte sich kühl über das Land. Mit schöner Aussicht auf den Highway, kochte ich eine leckere warme Brokkoli-Kartoffel Suppe, dazu gabs Brot.

In der Nacht erreichte ich Québec City, um ein Hostel zu Organisieren war es mir zu spät. Ich hielt am Walmart.
Weiter geht’s in Québec City.

4 Kommentare

  1. Tante Judith sagt:

    Immer wieder sehr unterhaltsamm. Ich freue mich, dass es dir so gut geht 🙂 Ildi ist seit dem 11.01. auch wieder unterwegs. LG aus Berlin

  2. nettimum sagt:

    Wieder tolle Erlebnisse untermalt mit fantastischen Fotos, die die Vorstellungskraft übersteigen, danke Flo!

Schreibe einen Kommentar