Kanada
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Bikepark Trip in den Rocky Mountains

Nach der ereignis- und arbeitsreichen Saison gönnte ich mir endlich mal ein bisschen Urlaub. Und zwar ein Bikeparkurlaub. Es wurde Zeit zurück in die Skiresorts zu kehren um ihre Mountainbikeparks anzutesten. Über und durch diverse Kicker, Anlieger und Drops zu hämmern sowie feinste Trails zu ballern und dabei gediegen vom Lift wieder auf die Bergspitze getragen zu werden. Und Bier trinken nicht vergessen.

So machte ich mich mit Nils auf einen schönen Rundtrip durch die Rockys um die letzten Öffnungstage der Saison in den Bikerparks noch zu erleben. Es ging über den Icefield Parkway in den Süden vorbei an Lake Louise nach Golden in das apline Kicking Horse Mountainresort, weiter nach Vernon in den berühmten Silverstar Bikepark, wieder rauf nach Kamloops und dem nahegelegenem Sun Peaks Resort, von da aus nach Norden über Blue River nach Valemount in unseren Local-Bikepark.

Es blieben uns genau noch drei Tage bis die Sommersaison der Bikeparks beendet war und die Lifte still standen. Ein knappes Zeitfenster für die rund 1400km Tour in 5 Tagen, ein Zeitraum in dem wir Material und Körper stark strappazierten, natürlich nicht ohne einigen Ausfällen selbiger.

Wir machten uns am Freitag Abend auf den Weg nach Golden, das waren ganze 600km über den verlassenen Highway durch den Jasper-, Banff- und Yoho Nationalpark in mitten der Rocky Mountains in den Süden. Das Wetter war glücklicherweise auf unserer Seite und wir erreichten Golden nach einer Kaffeepause in Lake Louise gegen Mitternacht. Für eine kleine Visite in Golden und einem Mitternachtsdinner war noch Zeit. Verwirrt wurden wir durch gar asiatische Verkehrsschilder im Zentrum, Ped-Xing… haben denn nun auch japanische Investoren nicht nur Whistler sondern auch Golden schon eingenommen? Eine lustige Aufklärung bekamen wir in der Tankstelle von den Ortsansässigen. Wer es bis jetzt noch nicht erraten hat: Ped-Xing, Pedestrian Crossing ja Fußgänger Überquerung… Es wird einem auch nicht leicht gemacht. Am Fuße des Resorts fanden wir einen guten Spot um das Zelt aufzuschlagen und die letzten zwei Biere des 8-Packs die ich von der fahrt noch übrig gelassen hatte zu trinken. Klassische Beifahrer-Benefits die nur mit trainierter Blase genießbar sind.
Frühs ging es rauf zum Berg und ich war ziemlich stoked das Resort in seiner Sommerpracht zu sehen, wir bauten die Bikes zusammen holten uns Tickets und sprangen in die Gondelbahn rauf auf die Spitze, wo wir früh noch einige Stellen mit Schnee fanden. Der Kicking Horse Bikepark ist tough, scharfe Steine und steile Abfahrten in den alpinen Gefilden überstanden unsere Bikes glücklicherweise ohne Platten. Der sonnige Tag täuschte uns trockene Trails vor, wir trauten uns auf den Double Black Diamond Trail Stickrock mit dem berühmten wooden-featured Rollercoaster, keine gute Idee bei noch nassem Stein und Holz. Ich stieg über den Lenker schon auf der rutschigen Steinplatte zum Anfang ab, Nils rutschte keine 5 Minuten später von der Holzbahn, zerbrach den Dropperpost Hebel und verbog seinen Lenker. Kein guter Einstieg für den ersten Tag…
Ich fuhr noch ein paar Abfahrten und besuchte den Grizzlybären „Boo“ in seinem Gehege. Meine Favoriten waren der flowreiche Swamp Donkey und Showdown über Rock’n’Roll nach Superberm. Definitiv ein anspruchvolles Resort mit steilen gefährlichen alpinen und steinigen Passagen und viel spaß beim fliegen. Wir hatten zwar keine Reifenplatzer, mussten jedoch den Lenker von Nils wechseln. Wir besuchten den örtlichen Fahrradladen Derailed Sports und fanden auch direkt einen neuen Lenker plus Hebel. Echt schicker kleiner Privat geführter Bikeshop, wenn man mal dort ist unbedingt einen Besuch abstatten. Mit den Sachen im Gepäck ging es zur leckeren Whitetooth Brewery, die uns jedoch leider das herumschrauben in ihrem Biergarten verwehrte. So kauften wir uns eben frisch abgefülltes Flaschenbier und schraubten hinter der Brauerei und trunken heimlich das gute Bier. (In Kanada ist es verboten auf öffentlichem Grund Alkohol zu konsumieren) Gleich darauf machten wir uns auf den Weg nach Vernon um unser Zelt im Silverstar Resort aufzuschlagen.

Nach einem Pausenkaffee in Revelstoke und direkter Weiterfahrt erreichten wir spät in der Nacht Silverstar. Stellten das Zelt auf dem Campingplatz auf und hauten uns hin. Der ziemlich teuren Regelung, 65$ Dollar für die knapp 6-stündige Übernachtung für Auto und Zelt zu zahlen, umgingen wir als wir früh am Morgen bevor der Wärter kam auf den Tagesparkplatz wechselten.
Das an Amsterdam angelehnte bunte Bergdorf ist das Downhill Mekka in den kanadischen Rockys. Wir servicten die Bikes und warteten geduldig im Bäckerladen bis die Lifte gegen 9:30am starteten. Das Wetter bescherte uns einen wunderschönen Tag mit Sonne und frischen Briesen. Die Trails waren der Hammer, teils etwas ausgewaschen jedoch noch gut in shape. Meine Lieblingsruns waren die beiden Black-Diamond Strecken Rock Star mit seinen flowy Jumps und Berms und natürlich World Cup, bestückt mit Teilen der alten Worldcup Strecke von 1994 und ihren massiven Wallrides die dich wie bei SONIC the Hedgehog durch den Wald schießen. Purer Adrenalinrausch!
Am Ende des Tages gönnten wir uns noch einen feinen Pitcher Dark-Ale und fuhren wieder herab nach Vernon. Und da wir schonmal da waren besuchten wir gleich mal eine örtliche Dispensary oder in DE eher bekannt als Coffee Shop. In Britisch Kolumbien ist der Marihuanakonsum für medizinische Zwecke legal, demnach bekamen wir auch eine professionelle Beratung die vorallem nicht so verstohlen rüberkam wie man es aus Amsterdam oder gar von Zuhause kennt. Angenehm. Ich fühlte mich eher wie in einer Apotheke, nur die Musik war etwas schräger genauso wie Ihre Angestellten.

Nach einem scharfen indischen Abendbrot, bei dem der Schärfegrad medium definitiv nicht meinem Mittelscharf entsprach, ging es weiter nach Kamloops und dem nahegelegenen Sun Peaks Resort. Immernoch schwitzend und unter Schmerzen auf der Zunge spülte ich Bier nach und wir fuhren in die Nacht zum nächsten Ziel. Zu unserem Überraschen wurden wir von Nils seinen Freunden in dem Bergdorf zur Übernachtung auf der Couch eingeladen. Perfekt um sich für den nächsten Tag zu erholen, vorallem da es leicht anfing zu Regnen.
Der Bikepark in Sun Peaks hatte seinen letzten Tag der Saison, dennoch waren wir unter den Wenigen die an dem etwas trüben Tag auf die Trails gingen. Wir rippten die Strecken so gut wir konnten, leider waren auch hier viele Strecken stark ausgespült und nichtmehr gepflegt wurden. Die lange Öffnungszeit bescherte uns knapp 10 Stunden fahrspaß, genügend Zeit zum üben um nach den Jumps höher, weiter und schneller zu Fliegen. Unser klarer Favorit war die Kombi – den neuen oberen Steam Shovel mit satten Berms und Jumps hinein in den Wald mit vollem Speed in den Repeat Offender weiter über die Drops und Tables auf den unterem Steam Shovel und zum Abschluss hoch hinaus fliegen auf dem Biker Cross. Eine atemberaubende Abfahrt. Auch die Switchbackreiche Route 66 mit ihren vielen Anliegern. Es lief fast alles gut, nur ein Bowdenzug riss an dem Tag.
Nach dem anstrengenden Tag, hatten wir uns definitiv Entspannuung verdient. Da mein Kumpel in einem der größten Hotels vor Ort im Winter gearbeitet hat, fiel es uns nicht schwer ein entspanntes Bad im Hot-Tub zu bekommen, eine Dusche war auch längst überfällig. Absoluter Luxus, bis wir höflich zum verlassen der Badeanstalt aufgefordert wurden, da gerade die Becken neu auf Chlorgehalt eingestellt wurden. Damit hatten wir auch gleich unsere Wunden beiläufig desinfiziert. Wir blieben noch eine Nacht bei unseren Freunden und be-bierten uns bis es am nächsten Tag weiterging.

Anstelle die Bikerange in Kamloops zu besuchen, fuhren wir weiter nach Blue River und trafen uns mit meinen Lifti-Freunden aus Big White. Diese sind dort Touristenführer und hatten uns eine Wildlife-Safari auf dem riesigen Mud Lake versprochen. Doch auf dem Weg dahin machten wir noch am High Five Diner in Little Fort halt. Ein kleines familiengeführtes Highway-Restaurant wie aus dem Film. Von innen amerikanisch wie in den 70er Jahren, Jukebox und drehende Kuchentheke, leckere Hausmannskost und riesige Portionen, serviert von der authentischsten Kellnerin (von mir an der Stelle Mallory gennant) die der 50 Seelen-Ort zu bieten hat. Es hatte einen besonderen Flair, es fehlte nicht viel und in meiner Fantasie schlug die Szenerie um auf die Anfangsszene von Natual Born Killers. Ein sehr toller Stopp.
Wir erreichten die River Safari am Nachmittag und ließen uns eine Tour buchen, for Friends natürlich. Auf der Tour fuhren wir mit einem Katamaran mit Elektromotor schön langsam am Ufer des Sees entlang um möglicherweise wilde Tiere zu erspähen. Leider entdeckten wir nichts, so konnte ich nur die schöne Landschaft fotografieren. Der Ausgleich dazu war eine schnelle fahrt mit einem Düsenboot durch den Fluss, hat schon Spaß gemacht auf den Kinderplätzen ganz vorne. Wir trafen uns anschließend noch auf ein paar Bier in der örtlichen Legion bei Billard bevor wir weiter nach Valemount fuhren. Grüße gehen raus an Peter und Albe!

Denn dort stand noch eine weitere Party im Hause von Donalda unserer Bikepark Ambassador(in) an. Nach ein paar Getränken dort, fuhren wir direkt rauf zum Bikepark um unser Zelt aufzuschlagen. Die kühle Nacht bescherte uns einen klaren Sternenhimmel und schöne Fotos.
Den nächsten Morgen begannen wir mit einem ausgewogenem Frühstück serviert von dem netten Präsidenten der örtlichen Royal Canadian Legion Branch 266, für eine Spende und einen kleinen Schnack. Das gemeinsame Frühstück ist eine tradition in der Gemeinde. Zurück im Bikepark fuhren wir noch ein paar Runden mit dem Shuttlebus rauf zum Trailhead, doch bemerkten schnell das die Kraft und Konzentration langsam entweicht. Mich legte es einige male auf bekannten Strecken, so hatte ich auch die Schnauze voll. Wir entschlossen uns kurz nach Mittag abzureisen. Mit einem Haufen neuer Eindrücken fuhren wir, mit einem kleinen zwischenstopp am Mount Robson, geschafft zurück nach Jasper.

Ein Videoschnitt aus all dem GoPro-Material folgt noch.

1 Kommentare

  1. Mum sagt:

    Endlich wieder was zu lesen und bestaunen. Danke
    Das waren ja tolle Erlebnisse.

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